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Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich das auch gelesen!

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Matt Grau
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Die aufgeführten Texte sind fast alle auf einem Palm PDA mit Eingabestift geschrieben.  Sie sind stellenweise korrigiert. Diejenigen, die sie lektoriert haben möchten, schreiben bitte eine email an zuständige Verlagsagenten und Lektoren. Danke.


Notizen Beobachtungen Fragmente


Digitales Tagebuch



Allein im Müll
Geschichten rund um und aus dem Müll

Der Stahlsortierer

Deponie

Müllloch

MüllKunst Rede
Galerie Peng! Mannheim






Der Stahlsortierer

Der Stahlsortierer sortiert Stahl, den der Magnetabscheider herausgezogen hat.

Stahlteile, die nicht in die Verbrennung kommen und vom Stahlsortierer erkannt, ergriffen und einzelnen Fraktionen zugeordnet werden.

Der Stahlsortierer sitzt in einem spärlich bedachten Häuschen, das er vollkommen ausfüllt. An ihm vorbei zieht in einem fort ein Fließband, auf dessen labberiger Gummimatte rostige, deformierte Metallteile schaukeln.

Auch bei längerer Beobachtung scheint es so, als wenn lediglich der Stahlsortierer erkennt und weiß, welches Teil zu welcher Fraktion gehört.

Es scheint, als habe der Stahlsortierer den Buckel von dem geduckten Sitzen  und diesen schleppenden Gang vom Tragen der schweren Metallteile.

Er kommt etwas bullig daher, doch ist er herzensgut und zurückhaltend. er spricht leise, mit wenigen Worten, freundlich und doch wie aus einer anderen Welt.

Und zumindest sieht er, Tag für Tag in seinem Kabuff sitzend und nach Metall greifend in eine andere Welt.

Das ist seine Arbeit. Er verrichtet sie gut.

Ich bewundere ihn sehr.


Deponie

Da liegt vieles.
Der Friedhof der Erzeugnisse.
Immer drauf. Immer mehr.

Ein Massengrab der Produktionen.
Übereinander geschichtet. Mit unter gemischt vermischt.
Caterpillar verdichten das tagtäglich neu abgekippte.
Ringsum Häuser. Leben.
Sickerwasser dringt in das Grundwasser...


Möwen kreisen gieriger Geier gleich über die Deponie.
Hua Hua Hua schreien sie unablässig.
Im Sturzflug segeln sie in den abgekippten Hausmüll.

Hackend ihre Schnäbel, reißend, zerrend in dem von Menschen verbrauchten Gütern.
Fleischkadaver wirbeln durch die Luft. Gierig schnappend fallen die Ratten der Lüfte über alles ihnen irgendwie bekömmliche her.

Ein HausMüll Fahrzeug nach dem anderen, ein Fest für die Müllgeier.

An einer anderen Stelle bewegen sich Männer in verdreckten Overalls und hauen auf Fernsehgeräte ein. Zerschlagen, zerstückeln, zerlegen sie bis auf ihre gelöteten und verdrahteten Transistoren und anderem elektrotechnischen Eingeweide.

Dann schmeißen sie das auseinandergekloppte Material auf unterschiedliche Haufen.

Fernsehgerätetrennung. Ein Akt der aggressiven Destruktivität. Die Männer sind außer sich, ob dieser Schlachtung. Ein grandioses Bild der Überflußgesellschaft.


    "Du, stell dir vor, hier fängt es an. Das  Ausweitern der Deponie.."

"Wie jetzt? Du meinst ausweiten?"

    "Ne, ausweitern, ausweiten und  auseitern So wie eine offene Wunde, die nässt und weiter wächst. Über den Herd hinaus, Das kranke Sekret schwappt über.

Und so fließt die überfüllte Deponie in die angrenzenden Gärten und Häuser Die Müllflut begräbt all das unter sich, was ohnehin früher oder später auf der Deponie gelandet wäre.

So wird die Deponie wie von selbst erweitert. Vielleicht die einzige Change ohne Bürgerproteste und Umweltgruppensitzblockaden Bodenreich für neue Deponien zu gewinnen. Die Müllflut frisst unsere Kinder.

Ein paar ethnische Lücken müssen natürlich geschlossen werden. Die gefundenen Toten der Müllflut sollten natürlich in  würdevoller Weise auf einem Friedhof beigesetzt werden. Oder?"


    "Ein bisschen weit hergeholt ist  das schon. Aber nicht ganz unrealistisch.

Eine andere Möglichkeit wäre die Eigenverdichtung . In den Gärten befänden sich kleine Deponien. Die standesgemäß ausgehoben und abgedichtet sind. Da wird dann das Springbrunnenbedarfsartikelsortiment in den Baumärkten erweitert.

Für Kleinstheimbedarfsdeponien können dann in der ersten Phase der Einführung und Förderung der Eigendeponien auch die Spezialkunsttofffolien für größere Gartenteichanlagen verwendet werden.

Im weiteren ist dann so etwas doch eher für die Kinderecke der Eigendeponie angedacht. Da wird sich ein großer Markt auftun.


Gelangweilte, übergewichtige, dummdreinblickende Kinder terrorisieren nicht mit elektrisch betriebenen Kettcarrollern die anderen Benutzer der Gehwege, sondern verdichten ihren eigenen Müll.

Findige und geberfreudige werden vielleicht ein Geschäft mit altem Spielzeug der Deponierung vorschalten. Manche  verschenken vielleicht auch etwas


Die ganz Gemeinen unter ihnen, werden mit hämischen Gesicht das besonders wertvolle  Spielzeug zur Schau stellen und unter dem flehentlichen Geheule der Unterschichtenkinder
- deren Eltern nur auf einer der Mietskasernendeponien abliefern dürfen, wo ohnehin nur das
billige kaputtgespielte Einwegspielzeug landet -
ihr Spielzeug genüsslich platt walzen....


Die Eigendeponieüberwachungsstelle setzt Schwerintegrierbare Langzeitarbeitslose und andere Unterschichten als Müllscheriffe ein und gewährleistet damit eine fundierte und gesicherte Kontrolle..

Während die Unterschichtenkinder wieder zurück in die Mietskasernen kehren und dem Hin und Her des Mietskasernencaterpillars zuschauen - den der ehemalige Hausmeister von morgens bis abends in Betrieb hält - fahren in den Gartenreichen Vorstadtgebieten Haus an Haus und Garten an Garten die Haus-und HeimCaterpillar über ihren Hausmüll.

Dann winken sich die Nachbarn zu, die nun nicht mehr ihren Rasen mähen, sondern mit kleinen. Haus-und Gartencaterpillarn ihren Müll plan machen.

Grundsätzlich bleibt der Ablauf der nachbarschaftlichen Aktivitäten der geliche wie eh und je.

Die einen haben eine gut gepflegte Eigendeponie, die anderen eine verwilderte.
Dann schreit der Nachbar dem anderen zu: "Du musst mal wieder verdichten!"

Bei besonders guten und engen Nachbarschaften kann dann auch der Zaun abgetragen werden und die Eigendeponie zu einer Kleistgemeinschaftsdeponie anwachsen.

Dann kann abwechselnd verdichtet werden. Oder mit zwei Haus-und Hofcaterpillar.
Da ist das Gemeinschaftsgefühl noch ausgeprägter.

Mittels Handys können sie dann auch kommuniziere.

Dann wollen wir mal wieder verdichten...."




Müllloch

Da bin ich nun drin.

In meinem eigenen Müllloch.

Und doch oh weh und wie so tief versinke ich darin.
Und bemerkte es erst jetzt.

Mein Ökojournal, mein Ökojournal, nochmal.
Hilft jetzt nicht weiter.
Wohin damit, denn nur.

Es ist ja nicht so, dass die Nachbarn darüber wachen, was ich in den Müll schmeiße, nein, da wache ich schon eher über die Nachbarn.

Es ist viel schlimmer. Ich weiß, was mit dem Material geschieht, nachdem ich es in einer der Abfallbehälter werfe.

Es bleibt auf diesem Planeten.

Der Müll wird nicht herrunter gebracht, er bleibt hier.
Nur aus der Sichtweite. Das ist alles.

Da kann mir jetzt auch keine Esoterikgruppe helfen, die sagen: Lass los. Lass los von deinem Müll.

Ich bin ja auch kein Messi. Ich habe die Küche, das Badezimmer, ach eigentlich alles immer in einem vorzeugbaren, hygienisch einwandfreien Zustand.

Nur, ich habe da ein Zimmer, da stapelt es sich. Andere würden es vielleicht Hobbyzimmer Abstellraum nennen oder Bei anderen heißt es auch Altelier. Für mich ist es das Müllzimmer. Mein Müllloch.

Da die Göttin der Muse mir ein künstlerisches Talent mitgab, stauen sich in dem Mülloch sogenannte Kunstwerke und Collagen. Pinsel, Farben, Papiere, Pappen, Zeitschriften, Kleber, Stifte, Tüten, Taschen, Lineale, Lampen, Birnen, Kabel, Musikinstrumente, Bücher, Bücher, Bücher, Briefe, schlimme und schöbe, Kassetten, Cds, Lappen, Lumpen, Becher, Gläser, Pflanzen, Nippes, Plakate, Poster, Postkarten, Flyer, Deckel, Töpfe, Kisten, Kästen, Körbe, Körbchen, Besteck, Bänder, Binden, Fahrkarten, Eintrittskarten, Leinwand, Staffelei, Pigmente, Öle, Kartonagen, Decken, Kissen, Fotos, Negative, Dias....

mehr mag ich jetzt nicht wissen.

was von dem kann ich missen?

Bleibt ja alles Müllloch.

Die Erde braucht nichts, was der Mensch produziert.
Noch nicht mal den Kompost.

Und ich in meinem Müllloch.

Ich bin Künstler.
Ich habe sozusagen das mir selbst zugeschriebene Recht Müll zu machen.
Ein Künstler darf auch Schrott machen. SCHROTTKÜNSTLER
Aber wohin damit?


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MüllKunst Rede
Galerie Peng! Mannheim

ALLES MÜLL

ÜBERALL.

DAMALS WIE IM TRAUM UND AUCH IM WACHZUSTAND. WOHLSTAND STEHT NAHE DER GIER. DEM ANHÄUFEN.

NICHT AUS VORRAT AUS GIER ERZEUGTER BESITZ.

VIELFACH NACH ABLEBEN ALS HINTERLASSENSCHAFT DANN DER ABFALL. FÄLLT ERST AB NACH DEM ABLEBEN. BLEIBT AUF ERDE. UNSER PLANET ERDE.

WIRTSCHAFT IMWACHSTUM.

GEIL IST GÜNSTIG. GREIFEN SIE ZU. DER RIESENGREIFER IM MÜLLBUNKER SCHWENKT ÜBER DIE MASSE UNNATÜRLICHKEIT. EKELIG. KANN GESAGT SEIN.

SCHÖN SCHÖNES WETTER. WIRD GESAGT. SOMMER IM NOVEMBER. KLIMA KIPPT SCHNELLER ALS GESAGT.

SEHR BEDENKLICH.

KLIMA KOMMT NICHT AUF DIE KIPPE. DIE GLOBALE ERWÄRMUNG ALS ANFANG VOM ENDE DER MÜLLZEIT DER ERDE IM ZEICHEN DER MENSCHHEIT

HALTESTELLE-OGGERSHEIM. HIER IRGENDWO WOHNT HERR DR.KOHL.ALTBUNDESKANZLER. BUNDESKANZLERIN FRAU DR. MERKEL WAR IM BUNDESKABINETT VON DR. KOHL DIE BUNDESUMWELTMINISTERIN. WARUM IST UMWELTPOLITK NICHT DAS HAUPTANLIEGEN VON FRAU DR. MERKEL? WAR DAS NUR EIN AKT PER POLITIK EIN KABINETTSTÜCKCHEN? SIE KOMMT DOCH AUS DER DDR EINEM STAAT DER EINER DER GRÖBSTEN UMWELTVERSCHMUTZER UND NATURZERSTÖRER DER ERDGESCHICHTE WAR.

UND WIR, DAS VOLK, DESSEN GRÖSSTER ANTEIL DER DEUTSCHSTÄMMIGEN BEVÖLKERUNG, WIE AUCH FRAU DR.MERKEL, EINE GENERATION OHNE KRIEG IST.


SCHEINBAR. KONSUM IST UNSER KRIEG! KRIEG ICH NOCH EIN STÜCKCHEN KONSUM? SEHR GERNE. DARFS AUCH EIN STÜCKCHEN MEHR KONSUMKRIEG SEIN? ICH PACK ES IHNEN AUCH GERNE EIN UND WAS SIE NICHT SCHAFFEN, KÖNNEN SIE JA WEGSCHMEISSEN.

WIE REFLEKTIEREN, WAS DA ANGESTELLT WIRD IN DEN STÖRFELDERN DER MATRIX, WO DIE CHAOSTHEORIE NICHT MEHR GILT. AUF DEN DEPONIEN DEN SCHLACHTFELDERN DER K ONSUMKRIESGMÜLLGESELLSCHAFT.DURCH DIE SCHLOTE DERABFALLBESEITIGUNGSWERKE, DEN KREAMATORIEN DER KONSUMENTEN, HINEIN IN DIE STRATOSPHERE ZURÜCK IM NOVEMBERSOMMER.


KANN DA DENN KUNST HEILEN?


JA. MÜLLMOMENTE EIN BLICK IN DEN MÜLL EIN BLICK IN DIE VERGÄNGLICHKEIT EIN BLICK IN EINEN KOSMOS DES KONSUMKRIEGES. EIN MOMENT, DER NICHT WIEDER KOMMT.


TEMPORÄRE KUNST. FÜRWAHR, ICH MOGELE DIE MÜLLZEIT SCHÖN, DA ICH ÄSTETIK IM MÜLL ENDECKTE. UNWIRTLICHE ÄSTETIK. ICH ENTDECKTE AUCH, IN DIESEM MEINIGEN ERDENLEBEN IST DIE KUNST MEINE PASSION UND DER MÜLL MEINE MISSION.


DIE KUNST

DAS MÜLLLOCH.


DAS ZEITVOLUMEN,

DER UNTERSCHIED


DER ZWISCHENTEIL


AUF DEM WEG ZUM MÜLL,


DER HINTERLASSENSCHAFT DER MENSCHHEIT. 

FOLGLICH:


KONSUMIEREN SIE KUNST.

WEGEN MIR KONSERVIEREN SIE AUCH DIE KUNST. AUSDRUCKSKUNST, EIN ANSATZ FÜR DAS WAHRE

DER KUNST. AUCH ALS WARE KUNST.


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MüllKunst Rede als Video


volkslesen.tv - Matt Grau liest



Für "volkslesen.tv" las Matt Grau die Rede zur Müll-Kunst-Ausstellung

in Mannheim aus dem Jahre 2006 noch einmal am 28. August 2010

bei der Langen Nacht der Museen in Berlin und zum 2 jährigen Bestehen

des MocTA - Trashart Museum Berlin.








edition mattgrau 2011